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Und im Gepäck das Leben

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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783963622205
Sprache: Deutsch
Umfang: 368 S.
Format (T/L/B): 2.5 x 20.5 x 13.5 cm
Einband: kartoniertes Buch

Autorenportrait

Elizabeth Musser wuchs in Atlanta auf. Seit dem Abschluss ihres Studiums englischer und französischer Literatur an der Vanderbilt Universität in Tennessee ist sie als Missionarin tätig. Heute lebt sie mit ihrem Mann Paul in der Nähe von Lyon in Frankreich. Die beiden haben zwei Söhne.

Leseprobe

Kapitel 1 Abbie 5. April 2018 Seit zwanzig Jahren habe ich die Geschichte meiner Familie sorgfältig zusammengeknüpft. Und jetzt, wo sie beginnt, sich aufzudröseln, stecke ich in einem wirren Knäul aus Angst und Sorge. Mein Sohn Bobby schlingt gerade in der Küche ein Sandwich mit Erdnussbutter und Marmelade herunter. 'Mom, ich muss dir was sagen.' Bobby ist ein vernünftiger Typ, also muss ich nicht damit rechnen, dass er mir eine schwangere Freundin oder den Konsum von Drogen beichtet. Aber damit habe ich nicht gerechnet. 'Ich glaube, ich gönne mir ein Jahr Pause.' 'Du machst was?' 'Du weißt schon, zwischen Schule und Uni.' 'Und was willst du machen?' 'Rumreisen. Stephen sagt immer, wie toll seine Auszeit war. Und da habe ich mir das so überlegt.' Stephen Lefort ist Bobbys Chef bei der Zeitung, wo er gerade ein Praktikum in der Grafikabteilung macht. Ich bin sprachlos. Man hat mir schon oft vorgeworfen, zu perfektionistisch zu sein, und so ist es ja auch, das gebe ich ja auch offen zu. Aber ich kann doch von meinem Sohn erwarten, dass er das Nächstlogische tut: nach der Schule aufs College gehen, oder? Schließlich haben wir seine Privatschule bezahlt, er hat bei den Aufnahmetests erstklassig abgeschnitten und wurde bereits bei drei hervorragenden Colleges angenommen. In meiner Kehle wächst ein Angstkloß. Um ehrlich zu sein, habe ich gespürt, wie uns Bobby Stück für Stück verlässt. Im Lauf der letzten zwei Jahre hat er sich mit seinem großherzigen, kreativen Wesen mal für die Schule, mal für Sport, für Mädchen oder für fromme Dinge interessiert. Bill macht sich deswegen keine Sorgen. Das hat er noch nie gemacht. 'Ich wollte mit dem Rucksack durch Europa touren, die ganzen Museen besuchen, wie Swannee es auch gemacht hat. Und natürlich eine Weile in Paris bleiben, bei ihrem Künstlerfreund, Jean-Paul.' Er wird leicht rot unter seinem buschigen Pony. 'Sowas eben.' Ich versuche die Angst herunterzuschlucken. 'Ich halte das nicht für eine so gute Idee, jetzt nach Paris zu fahren, angesichts des islamischen Terrors und der ganzen Schläferzellen überall.' 'Aber wäre es nicht cool, wie Swannee durch Europa zu tingeln?' Swannee ist meine Mutter und sie lernte Jean-Paul schon als Teenager kennen, während der Unruhen im Frühling 1968. Sie ist Künstlerin und ihre Zeichnungen aus dieser Zeit zeigen Polizeigewalt, ausgebrannte Autowracks und Chaos. 'Das war damals eine sehr konfuse und chaotische Zeit, Bobby.' 'Weiß ich. Ist es nicht krass, dass Swannee dabei war?' Seine braunen Augen leuchten wie der Eiffelturm bei Nacht. 'Und ich könnte die ganzen Museen besuchen wie Uroma Sheila auf ihrer Reise durch Europa. Das wird eine Familientradition!' Der Kloß rutscht mir durch die Kehle und plumpst in den Magen. 'Bobby! Deine Uroma ist auf dieser Reise mit dem Flugzeug abgestürzt!' Er spricht einfach weiter. 'Und ich muss unbedingt nach Wien. Die Gemälde im Kunsthistorischen Museum wollte ich schon immer mal sehen, das weißt du.' Nein, das wusste ich nicht. Höchstens meine Mutter. Mit ihr würde er über solche Dinge reden. 'Außerdem geht es nicht nur darum, möglichst viel Kunst aufzusaugen. Stephen hat gesagt, ich könnte von unterwegs für die Press schreiben. Er kennt Leute in der Nähe von Wien, bei denen ich wohnen kann, und ich kann auch den Missionaren bei der Flüchtlingsarbeit helfen.' Sein hübsches, jungenhaftes Gesicht strahlt vor Aufregung und Begeisterung. Er ist eine jüngere Version von Bill und ihm wie aus dem Gesicht geschnitten. Sein dickes, widerspenstiges rotbraunes Haar fällt ihm ins Gesicht und verdeckt die Augen, die hellbrauner, strahlender und freundlicher nicht sein könnten. Er ist auch so groß wie sein Vater, fast einsfünfundachtzig, schlaksig, und der Flaum auf seiner Oberlippe ist in letzter Zeit immer mehr zu einem kratzigen Dreitagebart geworden. Ich suche nach einem Fluchtweg aus der Küche, aber Bobby steht genau in der Tür. Die Worte kreisen wie heulende Geister um mich herum: Bereitschafts

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